07.08.2017

Grüner Ortsverband besichtigt Milchviehbetrieb

"Einen guten Weg haben Sie eingeschlagen. Wenn ich, und darauf hoffe ich sehr, nach der Bundestagswahl am 24.9. wieder agrarpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion werde, werde ich nochmal auf Sie zukommen". Mit diesen Worten verabschiedete sich Friedrich Ostendorff, grüner Bauer aus Bergkamen und Mitglied des Bundestags, von Burkhard Schneider aus Sporke. Auf Einladung des Grünen Ortsverbandes Lennestadt war Ostendorff zu Gast auf dem Betrieb und diskutierte mit Schneider, dem grünen Bundestagskandidaten für den Kreis Olpe Christian Hohn, dem Kreislandwirt Peter Steinhoff, dem Ortslandwirt Karl-Josef Stratmann und einigen Mitgliedern der OrtsGrünen über die Brennpunkte der Landwirtschaft in Deutschland und im Sauerland. Ostendorff, der zusammen mit seiner Frau einen Biobetrieb in Bergkamen bewirtschaftet, zeigte sich angetan vom dem Betriebskonzept von Burkhard Schneider, der sehr viel Wert auf den Weidegang seiner Tiere legt und derzeit eine kleine Erweiterung seiner Herde von 45 auf 70 Kühe plant. "Für einen solchen Schritt würde er auch von Kollegen belächelt", so Schneider. "70 Tiere seien doch viel zu wenig, es müssten 100 sein, und am besten mit Roboter gemolken." Aber auch da hat sich Schneider bewusst gegen entschieden, da es für eine Person arbeitsmäßig nicht zu leisten sei, einen Melkroboter zu betreuen - denn man müsse bei Störungen immer verfügbar sein. Auch das ehrenamtliche Engagement für die Molkerei kam ausgiebig zur Sprache und Schneider machte deutlich, dass die Landwirte sich für ihre Interessen einsetzen müssen, wenn sie in bäuerlichen Betrieben weiterhin Teil der Dörfer sein wollten. Einig waren sich alle, dass die Landwirte mindestens 40 ct pro Liter Milch erhalten müssen, wenn sie ihre Kühe auf die Weide lassen, mit regionalem Futter füttern und auf Sojaschrot verzichten wollen. Im Raum Lennestadt, so erfuhren die Teilnehmer, setzen alle Landwirte, die an die Molkerei FrieslandCampina liefern, kein (importiertes) Sojaschrot ein, sondern nutzen Rapsschrot als Kraftfutter für eine gute Milchleistung. Angesprochen wurde auch die Konkurrenz auf dem Bodenmarkt und die teils übertriebenen Preise, die als Pachten oder Kauf gezahlt würden. Grund sei aber nicht nur der Flächenfraß durch Gewerbe und Industrie, sondern auch die innerlandwirtschaftliche Konkurrenz der Biogasanlagen oder Weihnachtsbaumanbauer - oder auch durch ökologische Ausgleichsflächen. Auch da stimmten die Teilnehmer überein: es könne nicht sein, dass bester Ackerboden für 1:1 Ausgleichsflächen herhalten müsse, und dann die Konkurrenz und Intensität auf den anderen Flächen gesteigert werde. Gregor Kaiser, der für die Lennestädter Grünen diese Hof-Diskussionrunde organisiert hatte, bedankte sich nach gut zwei Stunden bei Burkhard Schneider für seine Offenheit und die Möglichkeit, den Betrieb zu besichtigen. Es sei den Grünen hier vor Ort ein wichtiges Anliegen gewesen, einen konventionellen Betrieb zu besuchen und nicht einen Biotrieb. Und es habe sich gezeigt, dass viele Überseinstimmungen oder zumindest eine große Nähe zwischen den Positionen der teilnehmenden Landwirte und grünen Positionen gegeben sei. Denn auch Grüne Landwirtschaftspolitiker wissen, dass Massnahmen, die die Probleme, Fehler und Gesetzesverstöße bei den Großbetrieben und Megaställen beheben sollen, häufig mit großer Intensität auch die bäuerlichen Betriebe treffen, die es zu erhalten gelte. Kaiser lud alle Teilnehmenden noch zu dem im Anschluss stattfindenden Sommerfest der Grünen auf seinen Betrieb ein (wir berichteten).

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